Verantwortung & Auszeit

Veröffentlicht am 2. Oktober 2025 um 20:00

Selbstständigkeit: Zwischen Freiheit, Verantwortung und Absicherung

Was passiert, wenn Ich als Selbstständiger krank werde, Urlaub brauche oder vor gesetzlichen Verpflichtungen stehen?

Eigene Entscheidungen treffen, die Arbeitszeiten flexibel gestalten und an seinen eigenen Ideen arbeiten, so stellt man sich das vor selbstständig zu sein. Doch die Kehrseite zeigt sich besonders dann, wenn Themen wie Krankheit, Urlaub, Verpflichtungen, Versicherungen und die Krankenkasse aufkommen. In diesem Blogbeitrag zeige ich euch, worauf Selbstständige in diesen Bereichen achten sollten.

Krank sein als Selbstständiger – Wer springt ein?

Während Angestellte im Krankheitsfall meist durch Lohnfortzahlung abgesichert sind, stehen Selbstständige vor ganz anderen Herausforderungen. Wer krank wird, verdient in der Regel kein Geld – es sei denn, man hat vorgesorgt. Eine freiwillige Krankenversicherung mit Krankentagegeld ist oft sinnvoll, da sie im Fall einer längeren Erkrankung zumindest einen Teil der Einkommensausfälle abfedert. Wichtig ist, die eigenen Verträge regelmäßig zu prüfen und sich im Ernstfall rechtzeitig mit der Krankenkasse in Verbindung zu setzen.

Was aber wenn man das nicht hat oder die Krankheitsphase davon nicht abgedeckt wird? Gerade wer keine Mitarbeiter hat, sowie ich stellt sich diese Frage. Ich habe Kinder die regelmäßig krank sind und dann kommt es schnell zum zeitlichen Ausfall. Wie man damit umgeht, darüber sprechen wir im Beitrag nächste Woche. Jetzt erstmal zurück, wie ich damit umgehe, wenn ich krank bin. Habe ich jetzt z.B. eine Grippe oder eine Bronchitis und kann nicht produzieren ist das wirklich blöd. Aber wichtig ist es dann in die Kommunikation mit den Kunden zu gehen, da sich dadurch im schlimmsten Fall die Fristen verlängern können. Natürlich kann ich auch Hilfe in Anspruch nehmen z.B. von Familie und Freunden. Diese kurzzeitige/einmalige Hilfe ist nicht meldepflichtig, aber es ist zu bedenken das wenn es zu einem Schaden kommt, das es nicht versichert ist.

(Wichtig: Das hier ist meine persönliche Erfahrung und mein Fall, also keine Rechtsberatung. Wendet euch im Einzelfall & bei Unsicherheiten an einen Fachmann.)

Kleinere Arbeiten am Laptop z.B. Emails bearbeiten, Bestände prüfen, Konten kontrollieren, Rechnungen schreiben etc., können alle problemlos aus dem Bett erledigt werden, wenn man sich danach fühlt. So sorgt man zumindest dafür, wenn die Phase der Krankheit vorbei ist das man nicht im absoluten Chaos steht. Ich kann mich dann aufs herstellen der Produkte konzentrieren, weil ich weiß der gröbste Bürokram ist erledigt.

Urlaub – Abschalten ist Pflicht!

Ich arbeite häufig rund um die Uhr, doch auch ich brauche mal längere Pausen, um langfristig leistungsfähig zu bleiben. Da es keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch für Selbstständige gibt, muss der Urlaub selbst organisiert und finanziert werden.

Aber wie sorge ich dafür das ich nicht komplett überrollt werde von der Arbeit, wenn ich erholt zurück komme? – Antwort: Vorarbeiten.

Es ist wichtig gewisse Dinge vorzubereiten. Wer z.B. MwSt. abführt sollte die Voranmeldung noch vor dem Urlaub rausschicken und auch alle Konten kontrollieren das alle Rechnungen in Abwesenheit beglichen werden können.

Auch ist es gut eine Liste zu machen mit Dingen, die sofort nach dem Urlaub erledigt werden müssen. Wer einen Onlineshop hat sollte diesen vorübergehend schließen oder die Bestände so anpassen das es während der Abwesenheit nicht zu Bestellungen über den Kapazitäten kommt. Wenn möglich sollten alle Bestellungen die noch eingegangen sind vorm Urlaub verschickt werden so das es nicht zu noch längeren Wartezeiten kommt.

Bestand der Materealien etc. prüfen und ggfs. bestellen damit nach dem Urlaub alles da ist. Aktionen oder Rabatte am besten auch schon vorplanen, so kann man seinen Urlaub genießen.

Tipp an dieser Stelle von mir: Frühzeitig planen, Kunden informieren und für eine automatische Abwesenheitsnotiz im E-Mail Postfach sorgen. Ein finanzielles Polster hilft, die Auszeit zu genießen, ohne sich Sorgen um laufende Kosten zu machen.

Verpflichtungen – Der Bürokratie-Dschungel

Von Steuererklärungen über Rechnungsstellung bis zu Sozialabgaben – Selbstständige sind für alle administrativen Aufgaben selbst verantwortlich. Manche Verpflichtungen sind gesetzlich vorgeschrieben, etwa die Abgabe der Steuererklärung oder das Führen eines Kassenbuchs (wenn es eine Kasse gibt). Wer sich hier nicht auskennt, kann schnell den Überblick verlieren. Eine gute Buchhaltungssoftware und ggf. die Unterstützung durch einen Steuerberater sind Gold wert. Ich selbst nutze eine Buchhaltungssoftware und empfehle da ganz klar das vergleichen. Macht euch Gedanken darüber, was ihr benötigt und schaut dann welches Programm für euch das richtige ist. Mein Programm war tatsächlich im Gründerpaket meiner Bank mit drin. Schaut euch einfach verschiedene Angebote und Möglichkeiten an.

Versicherungen – Nicht nur für den Ernstfall

Neben der Krankenversicherung sollte man noch weitere Versicherungen in Betracht ziehen: In meinem Fall waren das Betriebshaftpflicht, Cyberschutz und Rechtsschutz.

Bei Einzelunternehmern ist es möglich den privaten Rechtsschutz mit der betrieblichen zu verbinden und somit beides abzusichern. Auch eine Rentenversicherung kann sehr sinnvoll sein, um im Alter abgesichert zu sein. Es lohnt sich, mit verschiedenen Versicherungen zu sprechen und Angebote einzuholen.

Krankenkasse – Pflicht oder Kür?

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht, auch für Selbstständige. Die Wahl die man hat, ist freiwillig gesetzlich oder privat versichert. Während die gesetzliche Krankenversicherung einkommensabhängig ist, bieten private Versicherungen oft mehr Flexibilität, können aber gerade im Alter teurer werden. Ein Wechsel will gut überlegt sein, da die Rückkehr in die gesetzliche Versicherung später oft schwierig ist.

Sprecht am besten mit eurer Krankenkasse und lasst euch beraten.

Fazit: Selbstständigkeit braucht Planung

Selbstständig zu sein bedeutet, viele Freiheiten zu genießen, aber auch viel Verantwortung zu übernehmen. Wer sich rechtzeitig um Absicherung, Versicherungen und seine Gesundheit kümmert, kann die Vorteile der Selbstständigkeit voll auskosten – auch wenn es mal nicht nach Plan läuft. Urlaub und Auszeiten sind genauso wichtig wie das Wissen um die eigenen Verpflichtungen. Wer also selbstständig ist sollte nicht nach dem Motto „Planlos geht der Plan los“ leben, denn das ist hier nicht angebracht. Wer sein eigener Chef ist benötigt Strukturen und planbare Abläufe. Ein gut funktionierendes Netzwerk aus Ansprechpartnern für die Absicherung ist auch sehr empfehlenswert.